Samstag, 22. August 2009

Europäische Thesen: Fastenmonat Ramadan

Fakt: Das Fasten während des Ramadans ist für gläubige Muslime Pflicht. Dabei wird am Tage gefastet und bei Nacht das Fasten gebrochen.

These: Vielleicht ist das Fasten tagsüber nicht unbedingt eine Pflicht, sondern  eher eine notwendige Erholungsphase zwischen den üppigen Abendessen?

Freitag, 21. August 2009

Noch ein halber Tag bis Ramadan

Raus aus dem Mercure, endlich. Leider kann man in dem Hotel richtig depressiv werden.

Wir haben wieder etwas mehr die Stadt erkundet. Und zwar mit der Tram. Für sage und schreibe 25 Piaster (das sind 0,03 EUR) kann man einsteigen und die ganze Strecke abfahren, falls man das will. Ein paar Kuriositäten:

  • Heute ist Freitag, das ist der heilige Tag der Woche. Der Tag mag zwar heilig sein, das ist aber deshalb noch lange kein Ruhetag.
  • Wir waren während der Zeit des Freitaggebets unterwegs. Aus allen Richtungen konnten wir jeweils unterschiedlichen über Lautsprecher in der ganzen Stadt verbreiteten Predigten lauschen, natürlich auf Arabisch.
  • An der Tram-Station sind wir reingehüpft und prompt im Frauenwaggon gelandet. Der Schaffner gestand uns allerdings lächelnd den Ausländerbonus zu und ließ uns gewähren.
  • Wegen des Gebets nach der Predigt hat die Tram gestoppt und Fahrer, Schaffner sowie alle, die sonst noch wollten, sind ausgestiegen, um zu beten. Danach steigen alle wieder ein und es ging weiter.
  • Am Sporting Club sind wir ausgestiegen. Der Eintritt (Tageskarte für Nicht-Mitglieder) kostet 30 EGP pro Person, ein Vermögen. Niemand spricht Englisch, auch sämtliche Schilder sind ausschließlich Arabisch. Die Anlage hat uns doch sehr ernüchtert. Kaum zu glauben, dass es sich hier um einen ehemaligen englischen Kolonialclub handeln soll. Auf den Smouha-Club - zum vergleichen - hatten wir dann auch gar keine Lust mehr.


Aufnahme vor der Bibliotheca Alexandrina, Blickrichtung Osten

Mittlerweile sind wir im Sheraton, und obwohl dieses Hotel auch ein paar Altersspuren aufweist, empfinde ich es nach der Mercure-Woche als Wohltat. Erstaunlicherweise ist das Sheraton derzeit spürbar günstiger als das Mercure!

  • Das Zimmer hat die Mindestgröße fürs Wohlfühlen.
  • Es gibt ein Fitness-Studio.
  • Der Ausblick ist herrlich (Fotos werden noch geliefert).
  • Es ist ruhiger als im Mercure.
  • Keine Baustellen im Hotel!


Innenaufnahme der Bibliotheca Alexandrina



Donnerstag, 20. August 2009

Misr, she wrote

Andrea bloggt ab sofort unter: http://misr-she-wrote.blogspot.com/


Faule Zeit in Alex

Es gibt Erfahrungen, die sich nicht auf Fotos fest halten lassen. Beispielsweise ein Abendspaziergang auf der Strandseite der Corniche in Alex. Ununterbrochen durch Seitenstraßen, die einem das Prinzip Survival of the Fittest in praktischer Anwendung zeigen, kann man kilometerweit gehen. Der Geruch der frischen Meeresluft, die hohen Wellen, die gegen die Küste anbranden, wie soll man das fotografieren?

Von der Stanley-Bridge sind wir fast bis zur Bibliothek gelaufen. Für den Rückweg wurde dann aber wieder ortstypisch Taxi gefahren. Mittlerweile kann ich mich zumindest mit den Taxifahrern unter Zuhilfenahme von Händen und Füßen ganz brauchbar auf Arabisch verständigen. Irgendwie verstehen sie mich dann letzten Endes doch. Und auch beim Preis wirkt mein Handeln wohl überzeugender, wenn ich die Zahlen auf Arabisch sage.

Heute haben wir den ganzen Tag nur herum gegammelt, das muss auch mal sein. Morgen geht es dann wieder voller Elan weiter. Vom Mercure geht es zum Sheraton, ich brauche ein paar neue T-Shirts, weil sich mein Gepäck scheinbar auf unerklärliche Weise ausgedünnt hat, wir haben einen Schnupper-Trainingstermin im Lagoon Gold's Club... Es läppert sich.

Und übermorgen beginnt der Ramadan.


Mittwoch, 19. August 2009

al-Iskandariya

Im Schatten der Häuserschluchten in Down-Town Alexandria, gleich hinter der Statue des Namensgebers und Gründers. Nicht zu heiß, ein angenehmer Wind. Und dann nach Westen, links das Amphietheater, rechts geht es irgendwann zum Griechisch-Römischen Museum. Dazwischen Banken mit untypisch verwitterten Häuserfronten. An der Kreuzung ein Kino. Dann sind immer mehr Menschen auf der Straße, hier fahren kaum Autos. Überall Geschäfte, es erinnert ein wenig an den Basar in Istanbul, aber weitläufiger. Die Ägypter schauen manchmal etwas irritiert, wenn die Europäer an ihren Geschäften halten und ortstypische Kleidungsstücke betrachten.

Auftritt Samy, der uns als Touristen den Laden seines Bruders empfiehlt. Wir lassen uns mitschleifen, genießen die Führung. An Mohamed Alis Statue vorbei quer durch Raml-Station in immer enger werdende Gassen. Wir schlagen Haken, manchmal leuchtet das Blau des Mittelmeeres durch einen Spalt. Die Orientierung ist größtenteils hinüber. Bei diesem Händler gibt es Gewürze, der sei aber zu teuer. Der andere da hinten ist günstiger und hat die "echten" Gewürze. Das gilt dann auch für Kleidung, Gemüse, Tee. Irgendwann erreichen wir den Silberschmuckladen des Bruders. Irgendwo mitten im Souq, unmöglich aus eigener Kraft wiederzufinden.

Der Händler muss mir Rede und Antwort stehen, Samy übersetzt. Die direkte Konkurrenz zu den Gold- und Silberschmieden in Riad fürchtet man nicht. Die genannten Preise sind astronomisch, Faktor zehn zum aktuellen Silberpreis. Also soll der Händler zeigen, ob er Edelsteine bieten kann. Dazu wechseln wir den Laden, zu einem Freund. Der verkauft alle möglichen edlen, halb-edlen oder wertlosen Steine. Hier gibt es Alexandrit. Obwohl der Name auf Zar Alexander II. zurück geht und nicht auf al-Iskandariya.

Wir verabschieden uns, der Hunger wird langsam übermächtig. Durch das Labyrinth aus Gängen, Gassen und Torbögen erreichen wir die Corniche am Denkmahl des Unbekannten Soldaten. Die Sonne ist bereits hinterm Horizont versunken.

Nach diesem Tag bietet das moderne Café Fresca im Four Seasons im San Stefano Komplex einen Kontrast, der härter nicht sein könnte. Der Tisch am Fenster im Inneren des Lokals lässt den Lärm der Straße an diesem Tag erstmals verschwinden. Bei einer Pizza Quattro Stagioni betrachten wir diese andere Seite des alexandrinischen Alltags bevor wir erschöpft zu unserem Hotel zurück kehren.