Donnerstag, 20. August 2009

Faule Zeit in Alex

Es gibt Erfahrungen, die sich nicht auf Fotos fest halten lassen. Beispielsweise ein Abendspaziergang auf der Strandseite der Corniche in Alex. Ununterbrochen durch Seitenstraßen, die einem das Prinzip Survival of the Fittest in praktischer Anwendung zeigen, kann man kilometerweit gehen. Der Geruch der frischen Meeresluft, die hohen Wellen, die gegen die Küste anbranden, wie soll man das fotografieren?

Von der Stanley-Bridge sind wir fast bis zur Bibliothek gelaufen. Für den Rückweg wurde dann aber wieder ortstypisch Taxi gefahren. Mittlerweile kann ich mich zumindest mit den Taxifahrern unter Zuhilfenahme von Händen und Füßen ganz brauchbar auf Arabisch verständigen. Irgendwie verstehen sie mich dann letzten Endes doch. Und auch beim Preis wirkt mein Handeln wohl überzeugender, wenn ich die Zahlen auf Arabisch sage.

Heute haben wir den ganzen Tag nur herum gegammelt, das muss auch mal sein. Morgen geht es dann wieder voller Elan weiter. Vom Mercure geht es zum Sheraton, ich brauche ein paar neue T-Shirts, weil sich mein Gepäck scheinbar auf unerklärliche Weise ausgedünnt hat, wir haben einen Schnupper-Trainingstermin im Lagoon Gold's Club... Es läppert sich.

Und übermorgen beginnt der Ramadan.


Mittwoch, 19. August 2009

al-Iskandariya

Im Schatten der Häuserschluchten in Down-Town Alexandria, gleich hinter der Statue des Namensgebers und Gründers. Nicht zu heiß, ein angenehmer Wind. Und dann nach Westen, links das Amphietheater, rechts geht es irgendwann zum Griechisch-Römischen Museum. Dazwischen Banken mit untypisch verwitterten Häuserfronten. An der Kreuzung ein Kino. Dann sind immer mehr Menschen auf der Straße, hier fahren kaum Autos. Überall Geschäfte, es erinnert ein wenig an den Basar in Istanbul, aber weitläufiger. Die Ägypter schauen manchmal etwas irritiert, wenn die Europäer an ihren Geschäften halten und ortstypische Kleidungsstücke betrachten.

Auftritt Samy, der uns als Touristen den Laden seines Bruders empfiehlt. Wir lassen uns mitschleifen, genießen die Führung. An Mohamed Alis Statue vorbei quer durch Raml-Station in immer enger werdende Gassen. Wir schlagen Haken, manchmal leuchtet das Blau des Mittelmeeres durch einen Spalt. Die Orientierung ist größtenteils hinüber. Bei diesem Händler gibt es Gewürze, der sei aber zu teuer. Der andere da hinten ist günstiger und hat die "echten" Gewürze. Das gilt dann auch für Kleidung, Gemüse, Tee. Irgendwann erreichen wir den Silberschmuckladen des Bruders. Irgendwo mitten im Souq, unmöglich aus eigener Kraft wiederzufinden.

Der Händler muss mir Rede und Antwort stehen, Samy übersetzt. Die direkte Konkurrenz zu den Gold- und Silberschmieden in Riad fürchtet man nicht. Die genannten Preise sind astronomisch, Faktor zehn zum aktuellen Silberpreis. Also soll der Händler zeigen, ob er Edelsteine bieten kann. Dazu wechseln wir den Laden, zu einem Freund. Der verkauft alle möglichen edlen, halb-edlen oder wertlosen Steine. Hier gibt es Alexandrit. Obwohl der Name auf Zar Alexander II. zurück geht und nicht auf al-Iskandariya.

Wir verabschieden uns, der Hunger wird langsam übermächtig. Durch das Labyrinth aus Gängen, Gassen und Torbögen erreichen wir die Corniche am Denkmahl des Unbekannten Soldaten. Die Sonne ist bereits hinterm Horizont versunken.

Nach diesem Tag bietet das moderne Café Fresca im Four Seasons im San Stefano Komplex einen Kontrast, der härter nicht sein könnte. Der Tisch am Fenster im Inneren des Lokals lässt den Lärm der Straße an diesem Tag erstmals verschwinden. Bei einer Pizza Quattro Stagioni betrachten wir diese andere Seite des alexandrinischen Alltags bevor wir erschöpft zu unserem Hotel zurück kehren.

Sonntag, 16. August 2009

Immer mit der Ruhe

Großartig, die Koffer sind wieder da. Damit ist jetzt alles komplett. Außerdem habe ich jetzt einen einigermaßen vernünftigen Internetzugang über ein USB-UMTS-Modem.

Was bislang über Alexandria zu berichten ist:
  • Es sind derzeit 28 Grad Celsius, strahlender Sonnenschein und blauer Himmel. Vom Meer her weht ein angenehmer Wind, der auch den Smog über der Stadt verscheucht. Kein Vergleich zur brütenden Hitze und Trockenheit in Riad.
  • Die Menschen sind alle sehr freundlich und hilfsbereit. Man versucht auch nicht, einem Westler aggressiv seine Waren aufzudrängen. Im Gegenteil, man wird freundlich begrüßt und genauso freundlich verabschiedet, wenn man das Café oder den Laden nicht betreten mag.
  • Bislang hat noch kein Taxifahrer versucht, den Geldscheintrick abzuziehen.
  • Das Hotel (Mercure) ist leider nicht empfehlenswert, weil das Preis-/Leistungsverhältnis einfach nicht stimmt.
  • Es gibt jede Menge Kinos! ;-)


Samstag, 15. August 2009

Alexandria Airport: Lost & Found

Seit Wochen erwarte ich schon, dass bei einer der vielen Reisen mein Gepäck verloren geht. Quasi als Strafe, wenn ich wider besseres Wissen doch mal Gepäck aufgebe.

Heute ist es passiert. Ausgerechnet. Wo ich doch im Grunde meinen Trolley im Handgepäck haben wollte. Aber nein, von vier Gepäckstücken, die wir eingecheckt hatten, sind zwei in Cairo geblieben. Auch meine Zahnbürste.

Mittwoch, 5. August 2009

Wo sind all die Sterne hin

Soweit es Riad betrifft, ist es eine schöne Nacht. Vor allem der volle, runde Mond ist recht hübsch anzuschauen. Dabei fällt mir auf, dass ich keine Sterne sehen kann. Es ist einfach zu trübe, man kann halt den Mond sehen mit seinen verschwommenen Rändern, der Smog macht's möglich.

Ich kann mich nicht erinnern, jemals am Nachthimmel über Riad die Sterne gesehen zu haben.